Legalisation, Apostille und beglaubigte Übersetzung – Schritt für Schritt, Teil 1: Legalisierungsverfahren

Einführung

Diese Artikelserie soll möglichst verständlich erklären, welche Schritte aus meiner Sicht als beeidigter (öffentlich bestellter) Übersetzer erforderlich sind, um eine Urkunde und deren Übersetzung im Ausland, bzw. eine Urkunde aus dem Ausland in Deutschland zu verwenden: Von der Erstellung, Beglaubigung, Errichtung bis zur Legalisierung im Konsulat.

Bestimmung des anzuwendenden Legalisationsverfahrens und der Anforderungen an den Inhalt der Urkunde

Inhalt und „Alter“ der Urkunde (alle Länder)

Bitte klären Sie mit der Behörde, Stelle, dem Gericht, bei der Sie die Urkunde vorlegen müssen,

  • welche Inhalte die Urkunde aufweisen muss
  • wie sie formuliert sein muss
  • auf welche Gesetze sich der Inhalt beziehen soll
  • wie lange die Urkunde gültig ist (besonders bei Eheschließungen sind Urkunden nur drei oder sechs Monate nach Ausstellung gültig)

Die Klärung der Inhalte ist eher bei komplexen Rechtsgeschäften, z. B. einem Verkauf oder dem Verschenken von Wohnungen oder Grundstücken oder einer Firmengründung wichtig. In bestimmten Fällen muss die Beurkundung vor einem Konsularbeamten in Funktion eines Notars oder einem Notar des jeweiligen Landes erfolgen.

Anzuwendendes Legalisierungsverfahren – Deutsche Urkunden zur Verwendung im Ausland

Abhängig vom Land, in dem die Urkunde verwendet werden soll, wird zwischen folgenden Verfahren unterschieden:

  1. Apostille
    1. Apostille nach dem Haager Übereinkommen vom 05. Oktober 1961 durch die übergeordnete Behörde
    2. bestätigte („beglaubigte“) Übersetzung durch beeidigten Übersetzer
    3. Beglaubigung der Unterschrift des Übersetzers durch das Landgericht
  2. Beglaubigung und Legalisierung
    1. Beglaubigung durch die übergeordnete Behörde
    2. bestätigte („beglaubigte“) Übersetzung durch beeidigten Übersetzer
    3. Beglaubigung der Unterschrift des Übersetzers durch das Landgericht
    4. Legalisierung im Konsulat
  3. Vor- und Überbeglaubigung, Legalisierung
    1. Vorbeglaubigung durch die übergeordnete Behörde
    2. Überbeglaubigung (Endbeglaubigung) durch Bundesverwaltungsamt in Köln
    3. bestätigte („beglaubigte“) Übersetzung durch beeidigten Übersetzer
    4. Beglaubigung der Unterschrift des Übersetzers durch das Landgericht
    5. Endbeglaubigung der Unterschrift des Präsidenten des Landgerichts durch Bundesverwaltungsamt in Köln
    6. Legalisierung im Konsulat

Eine Liste, welches Verfahren für welches Land anzuwenden ist, finden Sie unter https://zuebers.wordpress.com/2008/05/02/legalisation-apostille-und-beglaubigte-ubersetzung-schritt-fur-schritt-teil-2-landerliste/

Anzuwendende Legalisationsverfahren für ausländische Urkunden zur Verwendung in Deutschland

  1. Apostille
    1. Apostille nach dem Haager Übereinkommen vom 05. Oktober 1961 durch die übergeordnete Behörde
    2. bestätigte („beglaubigte“) Übersetzung durch in Deutschland beeidigten Übersetzer *)
  2. Beglaubigung und Legalisierung
    1. Beglaubigung durch die übergeordnete Behörde
    2. Legalisierung im deutschen Konsulat
    3. bestätigte („beglaubigte“) Übersetzung durch in Deutschland beeidigten Übersetzer *)
  3. Vor- und Überbeglaubigung, Legalisierung
    1. Vorbeglaubigung durch die übergeordnete Behörde
    2. Überbeglaubigung (Endbeglaubigung) durch zuständige Behörde auf Landesebene, z. B. Außenministerium
    3. Legalisierung im deutschen Konsulat
    4. bestätigte („beglaubigte“) Übersetzung durch in Deutschland beeidigten Übersetzer *)
  4. Beschaffung über die deutsche Botschaft / Vertrauensanwalt
    1. In bestimmten Ländern erteilen die deutschen Konsulate keine Legalisierung. Bitte wenden Sie sich schnellstmöglich an die Behörde im deutschen Inland, die die Vorlage der Urkunde von Ihnen fordert und klären Sie alle weiteren Schritte ab.
    2. bestätigte („beglaubigte“) Übersetzung durch in Deutschland beeidigten Übersetzer *)

Eine Liste, welches Verfahren für welches Land anzuwenden ist, finden Sie unter https://zuebers.wordpress.com/2008/05/02/legalisation-apostille-und-beglaubigte-ubersetzung-schritt-fur-schritt-teil-2-landerliste/

Es ist möglich, dass auch bei den Verfahren 1 – 3 weitere Vorbeglaubigungen (z. B. durch den Behördenleiter oder eine zwischengeschaltete Behörde auf regionaler Ebene, z. B. die Standesamtsverwaltung des Verwaltungsgebiets/Oblast‘) eingeholt werden müssen. Das betrifft besonders Südamerika, aber auch einige Staaten Osteuropas. Bitte klären Sie diese Dinge rechtzeitig mit Ihrer Behörde.

*) In einigen Fällen werden auch Übersetzungen ausländischer Übersetzer anerkannt (Ermessen der Behörde), bzw. ist dies durch zwischenstaatliche Verträge geregelt. Genauere Daten dazu liegen mir leider nicht vor.

Rechtlicher Hinweis

Diese Information wurde mit angemessener Sorgfalt recherchiert. Eine Haftung für Inhalt oder Aktualität wird nicht übernommen. Sie stellt keine Rechtsberatung dar.
© Burkhard Ziegler, Mai 2008, letzte Änderung 2008-07-22

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2 Antworten to “Legalisation, Apostille und beglaubigte Übersetzung – Schritt für Schritt, Teil 1: Legalisierungsverfahren”

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  2. Beglaubigte Übersetzungen - Dokumente aus dem Ausland, Verwendung in Deutschland - Leistungsangebot « Burkhard Ziegler - Übersetzungen und Dolmetschen (translations and interpretation) Says:

    […] Stelle, z. B. der Universität, welche Dokumente übersetzt werden müssen und welche Art der Beglaubigung (konsularische Legalisation, Apostille) sie für die Urkunden selbst einholen […]

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