Beglaubigte Übersetzung und Normen (ISO-Norm)

Manchmal verlangen Behörden die Vorlage von Übersetzungen nach Norm ISO 9, ISO-R 9 oder anderen Normen. Dies führt zu Missverständnissen, denn die Norm ISO 9 : 1995 (Vorgänger- bzw. verwandte Normen: ISO 9 : 1986, ISO/R 9: 1968 ) ist eine Empfehlung, wie kyrillische Schriftzeichen, also z. B. russische, belarussische oder ukrainische Personennamen, in lateinische Schriftzeichen übertragen werden sollen. Gemeint sind bestätigte („beglaubigte“) Übersetzungen, die von öffentlich bestellten (beeidigten) Übersetzern der jeweiligen Sprache, z. B. vom Autor, angefertigt werden.

Wenn Ihr Name in der ausländischen Urkunde in lateinischen Schriftzeichen geschrieben wird, haben diese Normen keinerlei Bedeutung für Sie.

Bestätigte („beglaubigte“) Übersetzungen werden nach den Empfehlungen des BDÜ und den Vorschriften des jeweiligen Bundeslandes angefertigt. Diese beinhalten die Verwendung gängiger ISO-Normen, z. B. der ISO 9:1995 für kyrillische Schriftzeichen, bzw. „ISO R 233 für arabische Buchstaben, ISO R 259 für Hebräisch, ISO R 843 für griechische Buchstaben“ (Ehlers, Edmund; Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer, Landesverband Baden-Württemberg: Richtlinien und Hinweise für die Anfertigung von Urkundenübersetzungen [online]. 2004-07 [Zitat vom 2008-05-08, Verfügbar unter URL: http://bw.bdue.de/pdfDateien/urkunden02.pdf].

Sofern möglich, soll bzw. muss der Übersetzer die Vorschriften von § 49, Abs. 2 (und § 60 Abs. 2 Satz 4) der Dienstanweisung für die Standesbeamten und ihre Aufsichtsbehörden bei der Übersetzung berücksichtigen. Bei Personennamen (§ 49 Abs. 2 DA) sind dafür geeignete Urkunden vorzulegen. Mehr dazu

Für eine bestätigte („beglaubigte“) Übersetzung kann man auch die Anwendung der Normen DIN EN 15038 (als Nachfolgenorm der DIN 2345) in Betracht ziehen. Diese Normen sollen das Verhältnis zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer regeln und Qualitätsstandards setzen.

Unabhängig davon muss eine Urkundenübersetzung von genauso einer hohen Qualität und Genauigkeit sein, wie die eines technischen Handbuchs. Allerdings wäre der Aufwand, der mit der DIN EN 15038 verbunden ist, dem Auftragsumfang einer Urkundenübersetzung nicht angemessen oder würde die Kosten unnötig in die Höhe treiben.

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4 Antworten to “Beglaubigte Übersetzung und Normen (ISO-Norm)”

  1. jfbln Says:

    Hallo.

    Ich finde die Formulierung „die Norm ISO 9 : 1995 (Nachfolgerin der ISO-R 9 von 1968 )“ irreführend, da einige dadurch annehmen, daß dies bedeuten würde, es gäbe die „Version ISO-R 9:1968“, die unmittelbar durch die „Version ISO 9:1995“ ersetzt wurde, was sachlich unrichtig ist.

    Nach ISO/R 9:1968 (wohl mit „die erste Ausgabe von 1968“ gemeint) gab es ISO 9:1986; die aktuelle Version ist ISO 9:1995. Eigentlich hätte man dies leicht durch eine Recherche feststellen können bzw. allein der Blick auf die Website von ISO (International Organization für Standartization) hätte auch gereicht. Hier die Links: http://www.iso.org/iso/search.htm?qt=iso+9&searchSubmit=Search&sort=rel&type=simple&published=on (aktuelle Version, ISO 9:1995) http://www.iso.org/iso/search.htm?qt=iso+9&searchSubmit=Search&sort=rel&type=simple&published=on („Vorgänger“, ISO/R 9:1968 und ISO 9:1986)

    Scheinbar hat sich auch hierhin die Formulierung aus dem Wikipedia-Artikel „ISO 9“ „verschleppt“; der erste Satz dieses Artikels, der „Die Ausgabe ISO 9:1995 ersetzt die erste Ausgabe von 1968“ lautet, sollte wegen seiner Mißverständlichkeit überarbeitet werden, da bereits sogar von den beeidgten Dolmetschern, die es eigentlich besser wissen sollten, die Formulierung übernommen wird. Nach ISO/R 9:1968 (wohl mit „die erste Ausgabe von 1968“ gemeint) gab es ISO 9:1986; die aktuelle Version ist ISO 9:1995.

  2. jfbln Says:

    P.S. auch die Bezeichnung einer bestätigten Übersetzung als „beglaubigte Übersetzung“ findet leider auch sogar zwischen Kollegen Verbreitung; es sei angemerkt, daß die Richtigkeit und Vollständigkeit einer Übersetzung von einem gerichtlich beeidigten Dolmetscher (je nach Bundesland variiert die Bezeichnung, also ebenfalls von einem ermächtigten Übersetzer etc.) BESTÄTIGT und nicht beglaubigt werden🙂

  3. zuebers Says:

    Zur Bezeichnung „Bestätigte Übersetzung“ bzw. „Beglaubigte Übersetzung“ [sic]

    Sehr geehrte anonyme Nutzerin, sehr geehrter anonymer Nutzer,

    Sie haben Recht, laut Landesrecht von Sachsen-Anhalt sind derartige Übersetzungen als „bestätigte Übersetzungen“ zu bezeichnen. In einigen Bundesländern soll, laut einer nicht weiter bestimmbaren Aussage eines Kollegen auch das Attribut „beglaubigt“ zulässig sein.

    Aus diesem Grund und wegen des allgemeinen Sprachgebrauchs habe ich mich entschlossen, beide Bezeichnungen zu verwenden. Schließlich nützen niemandem für ein breites Publikum gedachte Fachartikel, die der geneigte Nutzer nur unter Tags, Suchbegriffen usw. finden würde, die nur wenige kennen oder anwenden.

  4. zuebers Says:

    Zu den ISO-Normen

    Sehr geehrte anonyme Nutzerin, sehr geehrter anonymer Nutzer,

    vielen Dank für Ihre sehr detaillierten Hinweise, die ich in den Artikel einarbeiten werde.

    Ich muss gestehen, dass ich als Übersetzer froh bin, den § 49 der Dienstanweisung für die Standesbeamtinnen und Standesbeamten und die ISO 9:1995 zu kennen. Ich wäre auch froh, würden, bezogen auf andere Fragestellungen zu Formalia der bestätigten Übersetzung, derart genaue Vorgaben existieren.

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